Beim Einsatz von KI (wie z.B. ChatGPT, Claude, Perplexity, Elicit, Research Rabbit, etc.) im Forschungsprozess, muss dies in der Arbeit offen deklariert werden. Das gilt sowohl für den Entwurf des Textes als auch für Recherche, Review oder der Auswertung von erhobenen Daten.
Beispiel: “Teile des in der vorliegenden Arbeit verwendeten Materials wurden mit KI-gestützten Werkzeugen erarbeitet, insbesondere bei der Erstellung des Einführungsteils. Alle KI-Ergebnisse wurden vom Autor überprüft und kritisch validiert.”
Hinweis: Die HSZG hat eine Eigenständigkeitserklärung veröffentlicht. Informationn erhalten in Ihrer Fakultät.
KI kann keine Urheberschaft übernehmen – KI ist ein Werkzeug und kein Co-Autor. Die Verfasser sind letztlich selbst verantwortlich für den gesamten Inhalt einer Arbeit. KI kann zwar Texte erzeugen, aber keine wissenschaftliche Verantwortung übernehmen! Alle Fakten, Daten und Interpretationen müssen durch die Autoren sorgfältig validiert und geprüft werden. Es muss sichergestellt sein, dass der gesamte Text wissenschaftlich korrekt und ethisch vertretbar ist (z.B. Vermeiden vorgefasster Vorurteile – Bias).
KI kann Fehlinformationen oder Halluzinationen (falsche, plausibel wirkende Aussagen) und auch irrelevante Inhalte erzeugen. Jede Information (vermeintliche Fakten, Quellen, Argumente), die aus einer KI stammt, muss sorgfältig und kritisch überprüft werden. Zitate oder konkrete Daten müssen durch Quellen bestätigt werden. "KI-generierte Zitate" ohne Überprüfung sind zu vermeiden. Es kann (muss aber nicht) hilfreich sein, mehrere KI-Tools zu verwenden und die Daten eine Kreuzvalidierung zu unterziehen. Es können auch Experten (Kommilitonen der höheren Semester, Lehrende) zur Validierung herangezogen werden.
Es darf nicht der Eindruck erzeugt werden, dass KI als eigenständiger Forscher agiert oder eigene Erkenntnisse erzeugt hat. Die Rolle der KI muss klar als Werkzeug in der Arbeit dargestellt werden, so dass es zu keinen Missverständnissen kommt.
Vertrauliche, persönliche, patentierende oder unveröffentlichte Daten dürfen nicht in KI-Tools eingegeben werden. Es besteht immer das Risiko, dass diese gespeichert, weitergegeben, ausgewertet oder für andere Zwecke genutzt werden können – unabhängig davon, was der Anbieter verspricht.
Kurz und knapp: Die KI ist als ein Helfer anzusehen, der bei der Arbeit unterstützen kann - KI ist nie ein Instrument, das fertige Ergebnisse generiert. KI-generierte Inhalte müssen immer aktiv bearbeitet werden: auf Fehler prüfen und korrigieren, Aufbau und Struktur einer Arbeit verbessern und sicherstellen, dass der Text logisch, präzise und wissenschaftlich fundiert ist.
Bei der Nutzung von KI-Tools im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten ist Transparenz ein zentrales Prinzip. Der Einsatz solcher Systeme muss nicht nur im Text selbst kenntlich gemacht werden, sondern sollte auch durch eine fundierte und kritische Reflexion ergänzt werden. Diese Reflexion umfasst sowohl die Rolle der KI im Arbeitsprozess als auch die Qualität und Verlässlichkeit der erzeugten Ergebnisse. Dabei ist unerheblich, ob die generierten Inhalte unverändert übernommen, überarbeitet oder lediglich als Inspiration genutzt wurden.
Grundsätzlich ist der gesamte wissenschaftliche Arbeitsprozess zu berücksichtigen: von der Themenfindung und Strukturierung über das eigentliche Verfassen bis hin zur Analyse und Interpretation von (empirischen) Daten. In all diesen Phasen kann KI unterstützend eingesetzt werden, was entsprechend offengelegt werden sollte. Eine kritische Auseinandersetzung ist insbesondere deshalb wichtig, da KI-generierte Inhalte potenziell fehlerhaft, verzerrt oder nicht nachvollziehbar sein können.
Um die Nachvollziehbarkeit und Transparenz zu gewährleisten, empfiehlt es sich, den Austausch mit der KI systematisch zu dokumentieren. Dazu gehören insbesondere die verwendeten Eingaben (Prompts) sowie die generierten Ausgaben. Diese Dokumentation kann in einer separaten Datei erfolgen und dient dazu, den Einsatz der KI auch im Nachhinein klar rekonstruieren zu können. Je nach Vorgaben kann es erforderlich sein, diese Dokumentation als Anhang zur Arbeit einzureichen oder auf Anfrage vorzulegen. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig über die jeweiligen Richtlinien zu informieren oder Rücksprache mit dem betreuenden Lehrenden zu halten.
Gleichzeitig ist zu beachten, dass nicht jede Form von KI-Unterstützung explizit ausgewiesen werden muss. Viele digitale Werkzeuge enthalten integrierte Funktionen, die auf KI basieren, jedoch keine eigenständigen inhaltlichen Beiträge liefern (im Vergleich zu Anwendungen mit generativen Funktionen). Dazu zählen beispielsweise Rechtschreib- und Grammatikprüfungen, automatische Vervollständigungen, Übersetzungshilfen, Online-Wörterbücher oder Bibliothekskataloge. Auch die Nutzung von Suchmaschinen, deren Ergebnisse teilweise durch KI optimiert werden, fällt in der Regel nicht unter die kennzeichnungspflichtige Nutzung. Entscheidend ist hier, ob die KI aktiv zur Generierung inhaltlicher Aussagen oder Analysen beiträgt.
Eine mögliche Hilfe bei der Einschätzung kann die sog. "Oma-Daumen-Regel" dienen. Sie kann dabei helfen zu entscheiden, welche Arten von Unterstützung zulässig sind und ab wann die Eigenständigkeit nicht mehr gegeben ist. Details zur Regel finden sich im "Leitfaden zum wissenschaftlichen Schreiben" der Fakultät Sozialwissenschaften der HSZG (S.10f.).
KI-gestützte Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini können innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl möglicher Themen, Fragestellungen oder Perspektiven generieren. Sie helfen dabei, ein zunächst unscharfes Interessengebiet einzugrenzen und in konkrete Forschungsfragen zu überführen. Zudem können sie erste Unteraspekte, Begriffsdefinitionen oder relevante Diskussionsfelder aufzeigen. Gerade in der frühen Phase eines Projekts oder einer Arbeit unterstützen sie den kreativen Denkprozess, indem sie alternative Blickwinkel anbieten oder auf Forschungslücken hinweisen. Dennoch bleibt die Auswahl und Bewertung der Ideen eine zentrale Aufgabe der Studierenden, da nur sie den Kontext, die Zielsetzung und die Anforderungen ihrer Arbeit vollständig einschätzen können.
Auf Basis einer Forschungsfrage kann generative KI verschiedene mögliche Gliederungen entwerfen. Dadurch erhalten Studierende Einblicke in unterschiedliche Wege, ein Thema logisch aufzubauen und Argumentationslinien zu entwickeln. KI kann auch Vorschläge für sinnvolle Kapitelabfolgen, Übergänge oder Schwerpunktsetzungen liefern. Diese Entwürfe dienen jedoch lediglich als Orientierung: Die eigenständige Anpassung an die konkrete Fragestellung, die Auswahl der passenden Literatur und die Einhaltung wissenschaftlicher Anforderungen ist entscheidend für eine überzeugende und schlüssige Arbeit.
KI kann als Unterstützung beim Verfassen von Texten dienen, etwa durch das Generieren von Rohentwürfen, Formulierungshilfen oder Beispielsätzen zu Beginn einer Arbeit, z.B. bei Schreibblockaden. Sie eignet sich auch zur sprachlichen Überarbeitung, indem sie Texte klarer, präziser oder stilistisch einheitlicher formuliert (Rechtschreibung und Grammatik). Ebenso kann sie beim Kürzen, Paraphrasieren oder Strukturieren von Inhalten helfen. Wichtig ist dabei, dass die generierten Inhalte kritisch geprüft, fachlich verifiziert und in eigene Worte sowie Argumentationszusammenhänge überführt werden. Der wissenschaftliche Anspruch – insbesondere Eigenständigkeit, Nachvollziehbarkeit und korrekte Quellenarbeit – darf nicht durch unreflektierte Übernahme von KI-Texten ersetzt werden.
Tools zur Erstellung von Grafiken, Diagrammen oder Präsentationsfolien können komplexe Sachverhalte anschaulich und verständlich aufbereiten. KI kann dabei helfen, geeignete Visualisierungsformen vorzuschlagen, Inhalte zu strukturieren oder Präsentationen optisch zu gestalten. Beispielsweise lassen sich Daten in übersichtliche Diagramme übertragen oder zentrale Argumente in klar gegliederten Folien darstellen. Dennoch liegt die Verantwortung für die inhaltliche Richtigkeit, die Auswahl geeigneter Darstellungsformen und die Verständlichkeit weiterhin bei den Studierenden. Eine reflektierte Nutzung stellt sicher, dass Visualisierungen nicht nur ansprechend, sondern auch fachlich korrekt und zielführend sind.
Verlassen Sie sich nicht auf die erste Antwort einer generativen KI. Nutzen Sie stattdessen einen dialogischen Ansatz, bei dem Sie gezielt nachhaken, präzisieren und hinterfragen. Durch iterative Prompts können Sie das Ergebnis schärfen und sich Schritt-für-Schritt einem Thema nähern. Fragen wie „Können diese Aussage belegt werden?“, „Welche Gegenargumente existieren?“ oder „Gibt es alternative Sichtweisen?“ helfen dabei, die Qualität und Tiefe der KI-Ergebnisse zu verbessern. Auch das Vergleichen von Antworten unterschiedlicher KI-Anwendungen oder verschiedener Formulierungen desselben Prompts kann neue Einsichten liefern. Durch dieses iterative Vorgehen entsteht ein reflektierter Arbeitsprozess, der die KI als Werkzeug nutzt, ohne ihre Aussagen unkritisch zu übernehmen.
Alle durch KI generierten Informationen müssen konsequent mit verlässlichen wissenschaftlichen Quellen abgeglichen werden. Dazu gehören Fachbücher, Peer-Review-Artikel (Paper) sowie etablierte Datenbanken wie JSTOR, PubMed oder Statista (Lizenzen siehe Hochschulbibliothek). Besonders wichtig ist die Überprüfung von Quellenangaben, da KI-Systeme dazu neigen können, scheinbar plausible, aber tatsächlich nicht existierende Literatur zu erzeugen. Prüfen Sie daher stets, ob die angegebenen Quellen real sind, zum Thema passen und korrekt zitiert wurden. Eine sorgfältige Faktenprüfung ist unerlässlich, um wissenschaftliche Qualität und Glaubwürdigkeit sicherzustellen. Nutzen Sie hierfür die Angebote der Hochschulbibliothek der HSZG (u.a. Katalogrecherche)
Neben der inhaltlichen Richtigkeit spielt auch die logische Konsistenz eine zentrale Rolle. Überprüfen Sie Argumentationsketten, indem Sie diese in eigenen Worten zusammenfassen oder umformulieren. Wenn es Ihnen schwerfällt, den Gedankengang klar und nachvollziehbar wiederzugeben, deutet dies häufig auf Schwächen oder Brüche in der Argumentation hin. Stellen Sie sich bewusst Fragen wie „Folgt diese Schlussfolgerung tatsächlich aus den Prämissen?“ oder „Gibt es implizite Annahmen, die hinterfragt werden müssen?“. Diese Form der kritischen Reflexion stärkt die Qualität Ihrer eigenen Analyse.
Die sprachliche Überarbeitung durch KI kann helfen, Texte verständlicher, präziser oder flüssiger zu gestalten. Dennoch ist es wichtig, die Ergebnisse an die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Fachrichtung anzupassen. Achten Sie auf korrekte Fachterminologie, wissenschaftliche Ausdrucksweise und disziplinspezifische Konventionen, etwa hinsichtlich Zitierstil oder Argumentationsstruktur. KI-generierte Formulierungen sollten daher immer als Vorschläge verstanden werden, die weiter angepasst und verfeinert werden müssen, um den eigenen wissenschaftlichen Standards zu entsprechen.
Bei der Nutzung von KI-generierten Inhalten sollten Sie stets sicherstellen, dass Sie diese vollständig verstehen und eigenständig vertreten können. Fragen Sie sich: „Könnte ich diese Passage meinen Kommilitonen erläutern oder in einer Prüfung verteidigen?“ und „Verstehe ich die zugrunde liegenden Konzepte und Argumente wirklich?“. Nur wenn dies der Fall ist, ist eine verantwortungsvolle Nutzung gegeben. Ziel ist es, nicht nur Ergebnisse zu übernehmen, sondern diese in das eigene Wissen zu integrieren und kritisch einordnen zu können.
Generative KI hat klare Anwendungsgrenzen, insbesondere in sensiblen oder hochspezialisierten Bereichen. Dazu zählen beispielsweise medizinische Diagnosen, rechtliche Bewertungen oder sicherheitskritische Berechnungen. In solchen Fällen sollten Sie sich nicht auf KI-generierte Inhalte verlassen, sondern auf qualifizierte Fachkräfte und geprüfte Quellen zurückgreifen. Ein reflektierter Umgang mit diesen Grenzen ist entscheidend, um Risiken zu vermeiden und die eigene Arbeit verantwortungsvoll zu vertreten.
Buck, I. (2026). Wissenschaftliches Schreiben mit KI. 2. überarb. u. erw. Aufl. Tübingen: UKV. (DOI: 10.36198/9783838565682).
Figge, F. & Darby, K. (2025). Studentische Hausarbeiten mit KI meistern. Umsichtig relevante Skills erwerben. Wiesbaden: Springer Gabler. (DOI: 10.1007/978-3-658-48947-2).
Lang, F. (2025). Künstliche Intelligenz in Seminar- und Abschlussarbeiten. Berlin: Springer Vieweg. (DOI: 10.1007/978-3-662-71542-0).
Detaillierte Informationen auf den Seiten der Hochschulbibliothek zum Thema "Literaturrecherche mit KI"
Buchempfehlungen der Hochschulbibliothek zum Thema KI: https://hsb.hszg.de/ihre-bibliothek/aktuelles/neuigkeiten/kuenstliche-intelligenz